Petition: Kostenloser Nahverkehr für Regensburger Schüler*innen
„Weil Fahrkarten verdammt teuer sind“

Pressemitteilung 23.04.2019
Recht auf Stadt reicht Petition für einen kostenlosen Nahverkehr für alle Schüler*innen Regensburgs ein.

Ab der 11. Klasse plötzlich blechen? Das leuchtet vielen nicht ein, Schüler*innen wie Eltern. Und warum müssen Azubis fast 40 € monatlich allein für Zone 1 berappen, während Studierende für knapp 16 € durch alle 10 Tarifzonen schippern können? Außerdem: Umweltschutz! Überall heißt es, der Öffentliche Nahverkehr soll attraktiver werden, doch wird er meist nur teurer. Ausgerechnet das Öko-Ticket erhöhte der RVV zuletzt um satte 11 Prozent! (1)

Nulltarif nur für Autos?

Bezüglich Mobilitätsgerechtigkeit liegt beim ÖPNV also vieles im Argen. Doch noch krasser klafft die Gerechtigkeitslücke, wenn ÖPNV und Autoverkehr verglichen werden.

Kürzlich veröffentlichte die Universität Kassel eine Studie (2), nach der eine Kommune im Schnitt dreimal mehr für den privaten motorisierten Verkehr ausgibt, als für den ÖPNV. Doch selten hört mensch, die Subventionierung des Individualverkehrs komme zu teuer. Widerspruchslos wird allerorten der Nulltarif für Autofahrende hingenommen, während Busfahrende allerorten zahlen müssen.

Warum nicht umgekehrt? Warum nicht dreimal mehr Geld für den ÖPNV, statt für luftverpestenden, platzverschwendenden und brandgefährlichen Individualverkehr?

Viele Kommentare

Das sehen auch viele Petitionsunterzeichnende so. 176 Kommentare wurden abgegeben. Hauptsächlich sprachen diese die Themen Bildungsgerechtigkeit und Umweltschutz an. Aber auch ein grundsätzlich anderes Verkehrskonzept wurde gefordert. Hier eine Auswahl:

  • Damit sich jeder Bürger auch ohne Auto frei in Regensburg bewegen kann! Besonders wenn er es sich nicht leisten kann ein Auto zu fahren! Außerdem sollten wir versuchen möglichst viel Verkehr aus der Stadt fern zu halten, das ist vermutlich nur möglich wenn der öffentlich Nahverkehr kostenlos wird!
  • Weil ich finde, dass jeder das Recht darauf hat, ohne große Kosten zur Schule zu kommen.
  • Damit weniger Leute das Auto nehmen.
  • Weil Bildung keine Frage des Geldes sein darf.
  • Bustickets sind für Leute, die auf dem Land wohnen, viel zu teuer.
  • Der öffentliche Nahverkehr sollte in meinen Augen immer kostenlos sein, da dies eine elegante Möglichkeit wäre, Verkehr aus der Stadt fernzuhalten. Und diese Petition ist der erste Schritt dazu.
  • Ich finde dass gerade Schüler aber auch ältere Menschen kostenlos busfahren sollten. Alle reden immer drüber die Umwelt zu schonen, wenn Schüler kostenlos zur Schule fahren könnten, dann wäre das schonmal ein großer Schritt für die Umwelt.
  • ÖPNV sollte immer kostenlos sein, um endlich die Dreckschleudern und den Lärm von der Straße und aus den Städten zu bekommen.
  • Eltern und Schüler sollten finanziell entlastet werden, Bildung darf nicht zu einem Privileg werden.
  • Weil es eine Selbstverständlichkeit sein sollte, dass Kinder kostenfrei zu ihrer Bildungsstätte kommen
  • Kostenlose oder günstige öffentliche Verkehrsmittel sind ein effektiver Weg den Autoverkehr in Städten zu reduzieren.
  • Weil Fahrkarten verdammt teuer sind.
  • Kostenloser Nahverkehr für alle ist die Zukunft einer fortschrittlichen Gesellschaft.
  • Die Petition ist mir wichtig, da ich selber ein Schüler bin, der im Landkreis der Stadt Regensburg wohnt, was als Folge bedeutet, dass ich plötzlich die letzten beiden Jahre insgesamt ca. 1400 € für Bustickets ausgeben musste. Ich finde dies ist falsch, da Bildung nicht abhängig vom Einkommen oder der Tiefe der Hosentaschen der Eltern sein sollte.
  • Damit Familien finanziell und die Regensburger Straßen verkehrstechnisch entlastet werden!
  • Es ist dringend notwendig mehr in Richtung einer klimafreundlicheren Zukunft zu unternehmen.
  • Die dringend notwendige Mobilitätswende ist nur mit innovativen Ideen für einen zukunftsfähigen ÖPNV möglich.
  • Weil Regensburg als kinderfreundlich Stadt gilt und sich mit dem Thema gern schmückt. In der logischen Folge wäre ein kostenloser Nahverkehr für Schüler der richtige Schritt.
  • Weil das private SUV keine Lösung ist für die Stadtplanung.
  • Hätte sich schon lange mal gehört und nicht alleine in Regensburg, sondern bayernweit.
  • Chancengleichheit unabhängig von sozialem Status!

Erfolgsaussichten?

In der letzten ZDF-Kabarett-Sendung „Die Anstalt“ traten wieder Max Uthoff als „Newton“ und Claus von Wagner als Verkehrsminister Scheuer auf. Letzterer agierte diesmal als Steuermann bzw. „Scheuermann“ der Titanic. Gegen das Versinken schlug Newton dem „Scheuermann“ die Forderungen der Schüler*innen von Fridays for Future vor und packte den kostenlosen öffentlichen Nahverkehr noch oben drauf. „Scheuermann“ antwortete:

„Das mögen ja alles vernünftige Vorschläge sein, aber wissen Sie, was Sie nicht bedacht haben? Diese Vorschläge müssen ja von Politikern wie mir umgesetzt werden, und das halte ich doch für stark unrealistisch.“

Leider dürfte diese Aussage auch für die Regensburger Stadtverwaltung gelten. Nahverkehr scheint nur eine Rolle zu spielen, wenn mit diesem als Vorwand günstiger Wohnraum und Bäume plattgewalzt werden können, siehe der geplante, verkehrstechnisch völlig unsinnige „Zentrale Omnibus-Bahnhof“ (ZOB) auf dem Kepler-Areal.

_______________________

(1) Der RVV liegt im Aufgabenbereich der Stadtwerke. Die Stadtwerke sind eine 100-prozentige Tochter der Stadt. Aufsichtsratsvorsitzende beider Unternehmen ist Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer. Diese antwortete einem Bürger auf die Beschwerde über die drastische Preissteigerung: „Grundsätzlich hat die Stadt Regensburg keinen Einfluss auf die Tariferhöhungen bzw. die Tarifstruktur durch das Stadtwerk Regensburg.“ https://rechtaufstadt-regensburg.de/%ef%bb%bfzur-fahrpreiserhoehung-des-oekotickets-fuer-den-stadtpass/

(2) https://www.internationales-verkehrswesen.de/studie-autoverkehr-kosten-kommunen/

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.