Mit Glanz ohne Gloria – Aufruf zum Boykott der Schlossfestspiele Thurn und Taxis

>> Screenshot von der Homepage „Schlossfestspiele“. I.D. steht für „Ihre Durchlaucht“ <<

Pressemitteilung 24.06.2019

Vom 12. bis 21. Juli finden in Regensburg ein weiteres Mal die „Schlossfestspiele Thurn & Taxis“ statt. Zehn Tage lang treten Größen der Musikszene, wie Michael Bolton, Diana Krall, Nena und Revolverheld auf – vor großem Publikum. Veranstaltet werden die Schlossfestspiele von Odeon Concerte. Mit im Boot ist – wie Titel und Ort schon vermuten lassen – auch die Milliardärin Gloria von Thurn und Taxis als Schirmherrin der Veranstaltung. Das ist der Grund für das Bündnis Solidarische Stadt Regensburg, die Festspiele scharf zu kritisieren.

Gloria von Thurn und Taxis äußert sich seit Jahren offen rassistisch und homophob. Ihr bekanntes Zitat: „Der Schwarze schnackselt gerne“ aus dem Jahr 2001, war keineswegs ein Ausrutscher. Während der Schlossfestspiele 2012 empfing sie den rechtspopulistischen und offen antisemitischen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán als Stargast und bezeichnete ihn als „Held“, der sein Volk „in die Freiheit führe“.

Und auch im letzten Jahr bestätigte sich die diskriminierende, homophobe Haltung der Fürstin, als sie die Ehe für alle als Werk des Teufels darstellte oder gemeinsam mit dem AfD-Landtagsabgeordneten Benjamin Nolte an einer Kundgebung gegen eine angebliche Frühsexualisierung von Kindern teilnahm.

Das Bündnis Solidarische Stadt Regensburg ist der Meinung, dass eine solche, sich in höchstem Maße problematisch verhaltende Person, nicht die Schirmherrschaft einer Veranstaltung innehaben kann, die offen für alle sein sollte.

Außerdem geht das Bündnis davon aus, dass ein Großteil der auftretenden Künstler*innen die Ansichten der Schlossherrin nicht teilt – im Gegenteil: Michael Bolton als Gewinner des Martin Luther Kind Awards, Nena mit ihrem Motto „Love & Peace“ oder Revolverheld, die sich mit Seenotretter*innen im Mittelmeer solidarisieren, passen ganz sicher nicht zu dieser rechtslastigen Milliardärin.

Deshalb kontaktierte das Bündnis alle auftretenden Künstler*innen, um sie über die Schirmherrin der Schlossfestspiele zu informieren, sie aufzufordern, von ihrem Vertrag zurückzutreten und sich öffentlich von den Schlossfestspielen und der Schirmherrin zu distanzieren. Bisher ist das nicht geschehen.

Nun wendet sich das Bündnis an die Öffentlichkeit. Es fordert noch einmal alle bei den Schlossfestspielen 2019 auftretenden Künstler*innen auf, von ihren Verträgen zurückzutreten und sich öffentlich von den Festspielen und der Schirmherrin zu distanzieren! Außerdem fordert das Bündnis alle potentiellen Gäste der Schlossfestspiele auf, die Veranstaltungen nicht zu besuchen, um damit ein Zeichen gegen Rassismus und Homophobie und ein Zeichen für Solidarität zu setzen! An den Veranstalter der Schlossfestspiele, Odeon Concerte, richtet das Bündnis die Forderung, Gloria von Thurn und Taxis die Schirmherrschaft für die Schlossfestspiele zu entziehen!

Solidarische Stadt Regensburg


Sündenregister von Frau Thurn und Taxis

Folgende Informationen zur Gastgeberin der Schlossfestspiele Frau Gloria von Thurn und Taxis waren dem Anschreiben an die Künstler*innen beigefügt.

  1. „Der Schwarze schnackselt gerne.“
    2001 trat sie in der Talkshow des Moderators Michel Friedman auf. Dort behauptete sie, schuld an der Verbreitung von HIV-Infektionen in Afrika sei nicht eine ungenügende Verhütung mit Kondomen, sondern das ausschweifende Sexleben der Afrikaner. Wörtlich sagte sie: „Afrika hat Probleme nicht wegen fehlender Verhütung. Da sterben die Leute an AIDS, weil sie zu viel schnackseln. Der Schwarze schnackselt gerne.“
    https://www.spiegel.de/panorama/tv-skandal-empoerung-ueber-fuerstin-gloria-a-133170.html
  2. Held Orban
    2012 lud sie zum zehnten Jubiläum der Schlossfests den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán als Stargast ein. Sie begrüßte den rechtspopulistischen und offen antisemitischen Autokraten von der Bühne herab und bezeichnete ihn als „Held“, als einen, der sein Volk „in die Freiheit führe“. Die Festivalbesucher mussten sich anschließend zur ungarischen Nationalhymne erheben, um dem Mann, der in seinem Land fast alle demokratischen Rechte, unter anderem die Pressefreiheit, faktisch abgeschafft hat, zu huldigen.
    https://www.regensburg-digital.de/landtagsabgeordnete-schlossfestspiele-skandal-orban/14072012/
  3. „Genießen Sie das Golfspielen, solange es noch geht“
    2015 werden von ihr Flüchtlinge als Bedrohung für Sicherheit und Wohlstand dargestellt. Den Mitgliedern eines Golfclubs empfahl sie: „Die Sicherheit, die wir gewöhnt waren, zu haben, wird es nicht mehr geben. Genießen Sie das Golfspielen, solange es noch geht.“ Einem Privatsender gegenüber äußerte sie: „Man könnte fast sagen, diese Völkerwanderung, die hier auf uns zuströmt, ist schon eine Art Krieg.“
    https://www.sueddeutsche.de/bayern/fernseh-interview-warum-gloria-sich-vor-fluechtlingen-fuerchtet-1.2727186
  4. Kindesmissbrauch? „Totaler Schmarrn“
    2017 relativiert sie die Misshandlungen und den Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen durch katholische Geistliche: “Das ist totaler Schmarrn. Das ist einfach richtig gemein. In jeder Schule, in jedem Sportverein gibt es dieses Phänomen und das wird es auch immer geben. Man geht gerne auf die Kirche los und das ist ein gefundenes Fressen.“
    https://www.focus.de/politik/deutschland/missbrauchsskandal-bei-den-regensburger-domspatzen-gloria-von-thurn-und-taxis-relativiert-geschehnisse-schlaege-waren-frueher-ein-ganz-normales-paedagogisches-mittel_id_7383749.html
  5. Homoehe ist Teufelswerk!
    2018 stellte sie die Ehe für alle als Werk des Teufels dar. Dem Magazin Cato, einem Blatt der Neuen Rechten, antwortete sie auf die Frage, wie sie sich die Heirat gleichgeschlechtlicher Paare erkläre: „Es gibt Perioden, da scheint der Teufel fröhliche Urstände zu feiern“.
    https://www.queer.de/detail.php?article_id=31019
  6. Demo mit der AfD
    2018 beteiligt sie sich zusammen mit dem AfD-Landtagskandidaten Benjamin Nolte an einer Kundgebung des Bündnisses „Demo für alle“, das sich vor allem gegen eine angebliche Frühsexualisierung von Kindern wendet. Über Sexualunterricht an Schulen sagt sie: „Das ist ja auch eine Art von Kindesmissbrauch.“
    https://www.mittelbayerische.de/region/regensburg-stadt-nachrichten/fuerstin-unterstuetzt-kontroverse-demo-21179-art1688877.html
  7. Keine Ehrung wegen Bannon
    2019 zieht das New Yorker Kunstmuseum „Museo del Barrio“ eine geplante Ehrung von Gloria von Thurn und Taxis zurück. Auslöser dafür sind vor allem ihre engen Kontakte zu dem Rechtsaußen Steve Bannon, dem früheren Chefstrategen von Präsident Donald Trump. Museo del Barrio erklärt: “Als kulturelle Institution, die auf den Prinzipien von Inklusion, Bürgerrechten und Vielfalt fußt, will das Museo del Barrio Menschen auszeichnen, die diese Werte und die Förderung von Latinx- und lateinamerikanischer Kunst hochhalten – in den USA und anderswo. Aus diesem Grund hat sich das Museo del Barrio entschlossen, nicht mehr mit der Fürstin Gloria von Thurn und Taxis zusammenzuarbeiten.”
    https://www.monopol-magazin.de/museum-zieht-auszeichnung-zurueck

1 Comment

  1. W. Kastner

    Ist die Grä von Tut und Tatnix schon Mitglied der AfD?
    Geistig tät sie da schön passen.
    Mit ihr sollte sich kein vernünftiger Mensch
    und kein/e Künstler/in einlassen –
    auch nicht für ein Bestechungshonorar –
    es sei denn, man proträtiert sie dann
    öffentlich und schonungslos.

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