Boykottaufruf Schlossfestspiele
Danke Revolverheld!

Anfang Juni rief das Bündnis Solidarische Stadt Regensburg die Künstler*innen der sogenannten Schlossfestspiele in persönlichen Anschreiben auf, nicht aufzutreten und sich öffentlich zu distanzieren. Grund: die rechtslastige Schirmherrin Gloria von Thurn und Taxis. Nur eine Gruppe hatte dazu den Mumm.

Boykottaufruf Schlossfestspiele Danke Revolverheld

Revolverheld

Vorgeschichte

Als im Frühjahr die Meldung die Runde machte, diesen Sommer solle bei den Schlossfestspielen die Popsängerin Nena auftreten, war das Entsetzen groß. Ausgerechnet Nena, die Sängerin von „99 Luftballons“, soll bei der AfD-affinen Milliardärin performen? Bei einer Frau, die sich immer ungenierter am rechten Rand positioniert? Die mit Orbán und Bannon kungelt, Kindesmissbrauch durch Pfarrer gar nicht so schlimm findet und Schutzsuchende mit Krieg vergleicht?

Solidarische Stadt Regensburg (SSR) recherchierte und stellte fest, kein*e einzige*r Künstler*in passte unter den Schirm der berüchtigten Schirmherrin. In persönlichen Anschreiben wandte sich die Initiative daher Ende Mai an die Künstler*innen. Hier einige Auszüge:

Haindling:

„Auch die Botschaft der Version von „Depp Du“, die ihr mit Liquid und Maniac zusammen gemacht habt, wird durch einen Auftritt bei den Schlossfestspielen völlig unglaubwürdig. Der Text richtet sich explizit gegen die tiefbraune Propaganda, die Gloria durchgehend in der Öffentlichkeit von sich gibt.“

Michael Bolton:

We are writing you, because we are shocked to see that you will perform at the “Schlossfestspiele” in Regensburg. We thought, as a winner of the Martin Luther King Award granted by the Congress of Racial Equality, you wouldn’t support an event, which is hosted by a woman, who is constantly expressing her racist and homophobic opinion in public.

Revolverheld:

Wir schreiben Euch an, als Bündnis „Solidarische Stadt Regensburg“. Wir sind solidarisch mit allen, die hier leben und leben wollen und setzen uns dafür ein, dass das Leben in unserer Stadt möglich und lebenswerter wird. Wir sind nicht solidarisch mit Gloria von Thurn und Taxis, Gastgeberin der Schlossfestspiele Thurn und Taxis im Juli. Sie verhält sich höchst unsolidarisch, zeigt sich offen rassistisch und homophob – sie ist wesentlich weiter rechts zu finden, als eine „besorgte Bürgerin“. Deshalb haben wir mit Schrecken festgestellt, dass Ihr während der Festspiele auftretet. Nach allem was wir wissen, seid Ihr – im Gegensatz zu Gloria – weltoffen, solidarisch mit Geflüchteten und alles andere als AfD-nah!! Glaubt uns, Ihr passt nicht mit „Gloria von Thurn und Taxis“ zusammen!

Telefonat

Nach wenigen Tagen meldete sich Musikmanager Pino Brönner im Namen von Revolverheld per Telefon. Das Anschreiben habe bei der Gruppe „voll ins Schwarze“ getroffen. Dass die Schlossfestspiele so eindeutig mit Frau von Thurn und Taxis verbunden seien, sei ihnen nicht bekannt gewesen.

Die Gruppe diskutiere nun heftig, ob der Auftritt abgesagt werden soll, ungeachtet der möglichen Konventionalstrafe, oder ob es eine andere Art der Distanzierung geben werde. Eine Sofortmaßnahme habe Revolverheld bereits getroffen: In die Verträge werde eine Klausel eingearbeitet, die zukünftig auch einen kurzfristigen Rücktritt erlaube.

Verschiedenen Möglichkeiten wurden am Telefon erörtert. Das Mindeste sei, so Brönner, ein Statement auf der Bühne. Auch werde Revolverheld verlangen, dass Frau Gloria von Thurn und Taxis nicht bei der Aufführung zugegen sein darf. Schließlich ging Brönner auch auf die Gage ein, die gespendet werden soll. Revolverheld arbeite sowieso mit Sea-Watch zusammen. Hier kam von SSR der Vorschlag, eventuell Sea-Eye zu unterstützen, da die Seenotrettungsorganisation in Regensburg ihren Sitz habe. Dies hätte große Symbolkraft.

Das Statement

Danach hörte das Bündnis nichts mehr von Revolverheld, leider auch nicht von den anderen Künstler*innen. Mitte Juni wurde schließlich eine Pressemitteilung über den Boykott-Aufruf an alle regionalen und viele landesweite Redaktionen verschickt. Kein einziges (!) Medium berichtete. Um so größer war die Freude, als das wunderbar eindeutige Statement von Revolverheld bekannt wurde: “Wir spielen hier auf dem Grund einer Frau, mit deren Werten wir überhaupt nicht übereinstimmen”.

In kürzester Zeit ging die Meldung durch alle Medien. In über 100 Online-Zeitungen erschien das Statement, von Süddeutsche bis Bild, von Brigitte bis Spiegel. Nur vereinzelt wurde Kritik laut: Die Band sacke das Geld ein und beschwere sich auch noch. Doch diese Dummschwätzenden verstummten jäh. Revolverheld spendete ihre komplette Gage an die Regensburger Seenotrettungs-Organisation Sea-Eye!

Solidarische Stadt Regensburg ist sehr glücklich darüber, indirekt an der Rettung von schutzsuchenden Menschen mitgewirkt zu haben.

Gleichzeitig bedauert das Bündnis aber das Verhalten der anderen Künstler*innen. Niemand schloss sich den Worten und Taten von Revolverheld an. Das ist blamabel. Nena, Haindling usw. haben sich damit nicht nur als unglaubwürdig disqualifiziert, sondern ihnen sollte auch bewusst sein: Wer sich unter die Schirmherrschaft der rechtslastigen Milliardärin begibt, bekommt diesen Makel nie wieder los!

Nächster Boykott

Solidarische Stadt Regensburg wird auch nächstes Jahr wieder einen Boykott-Aufruf starten. Es fordert alle Medien auf, diesmal über die Kritik an der Veranstaltung zu berichten. Insbesondere das örtliche Monopolblatt Mittelbayerische Zeitung wird ermahnt, sich an journalistische Grundsätze zu halten.

Denn was die Regionalpresse schon Wochen vorher und während der laufenden Schlossfestspielen ablieferte, war unterste Schublade und peinlichste PR. Dankenswerterweise hat Revolverheld diese unsägliche Melange aus Medien und Geldadel durchbrochen. Danke Revolverheld!

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