„Seenotrettung ist kein Verbrechen!“

Mit diesem Ruf zog die Demonstration der Seebrücke am Samstagnachmittag durch die Regensburger Innenstadt.

Fast 400 Menschen waren gekommen, überall blitze die Farbe Orange als gemeinsames Zeichen der Solidarität auf. Solidarisch zeigten sich die Demonstrierenden mit allen Menschen auf der Flucht und den von der Politik behinderten Seenotretter*innen im Mittelmeer.

Große Zustimmung fand der Redner des Bayerischen Flüchtlingsrates Stefan Dünnwald mit seiner scharfen Kritik am „Geordnete-Rückkehr-Gesetz“, das Bundesinnenminister Horst Seehofer plant. Betroffen lauschte der Domplatz, als der Redner des Bündnisses gegen Abschiebelager die menschenunwürdigen Bedingungen des Konzeptes Ankerzentrum schilderte. „Abschiebung ist Folter, Abschiebung ist Mord – Bleiberecht für alle, jetzt sofort!“ skandierten die Demonstrationsteilnehmer*innen daraufhin.

Weiter ging es, auf die Steinerne Brücke. Hier gaben zwei Redner*innen der Regensburger Seenotrettungsorganisation Sea-Eye Einblick in ihre Arbeit.

Ursula Putz schilderte in bewegenden Worten den Hintergrund der zehn Holzkreuze, die von Sea-Eye auf der Jahninsel Ostern 2017 aufgestellt wurden. Bei einer tragischen Rettungsaktion konnten zehn Menschen nur noch tot aus dem Mittelmeer geborgen werden. Die Kreuze sollen daran erinnern, dass es für sie keine sichere Brücke gab.

Michael Buschheuer, der Gründer von Sea-Eye, berichtete, wie viele Menschen sie schon retten konnten. Für viele mehr kam aber jede Hilfe zu spät, weil zivile Rettungsschiffe im Mittelmeer systematisch behindert und blockiert werden. Seit mehreren Tagen harrt das Schiff Alan Kurdi von Sea-Eye mit 64 geretteten Menschen auf dem Meer aus, weil kein Hafen seine Tore öffnen will. Weitere 50 werden vermisst.

Im Gedenken legten die Teilnehmenden Blumen auf einem Sarg nieder und gingen die letzten Meter der Strecke schweigend, als Trauerzug.

Die Demonstration endete in Stadtamhof mit einem Beitrag des Bündnisses Solidarische Stadt Regensburg. Solidarität könne nicht Ankerzentrum und Abschiebung bedeuten, skandierte die Rednerin. Menschenrechte stünden über jedem anderen Recht, das gelte für die Seenotrettung im Mittelmeer, sowie für uns, hier in Regensburg.

„Wir sind zufrieden“, sagen die Veranstalter*innen. „Viele sind gekommen, viele haben unsere Forderungen gehört. Es war uns wichtig, diese Demo zu organisieren, denn wir wollen nicht noch einen Sommer der Toten im Mittelmeer!“

Nach dem offiziellen Ende der absolut friedlich und geordnet abgelaufenen Demonstration sorgte der Einsatzleiter der Polizei für die einzige Störung. Unter dem “dringenden Verdacht”, gegen das Presserecht verstoßen zu haben, ließ er demonstrativ die Identität von drei Flugblattverteilern feststellen, weil auf dem Flugblatt zwar der Name der V.i.S.d.P, aber nicht ihre Adresse angegeben war. Eine entsprechende Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den eifrigen Beamten ist in Vorbereitung.

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