Solidaritätsadresse
Solidarität mit den Genoss*innen von Exarchia

Was sich dieser Tage im linksalternativen anarchistischen Athener Stadtteil Exarchia abspielt erfüllt uns mit Schrecken und Wut. Am 26. August machte der neue griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis (Nea Dimokratia) sein Wahlversprechen wahr und begann mit der “Säuberung” des zentral gelegenen Viertels. Bei dieser Räumungsaktion wurden 143 Geflüchtete, darunter 35 Kinder, und drei Hausbesetzer*innen festgenommen sowie vier besetzte Häuser geräumt.

Die mit enormer Brutalität durchgesetzte Zerschlagung linker und autonomer Strukturen fügt sich in das Bild eines autoritären Staates ein, den die neue griechische Regierung mit Unterstützung ihrer europäischen Partner*innen um jeden Preis errichten will. Während französische Spezialeinheiten die Schlägertruppen der griechischen Polizei beraten leisten andere “konservative” Parteien wie die CDU der Nea Dimokratia ideologischen Beistand in der gemeinsamen EVP Fraktion im EU-Parlament. Neben der Zerschlagung Exarchias möchte die neue griechische Regierung das nach den Erfahrungen der faschistischen Militärdiktatur eingeführte Universitätsasyl abschaffen, das Bildungswesen zunehmend privatisieren und die Kapitalverkehrskontrollen aufheben. Faschist*innen und Wirtschaftsbosse gehen mal wieder Hand in Hand.

Dabei sind, wie auch hierzulande, die Schwächsten der Gesellschaft im Fadenkreuz der Reaktionär*innen. Der erste Angriff auf Exarchia galt vor allem Geflüchteten, die sich nach dem erlebten Grauen auch im Exil vor Unterdrückung und Armut fürchten und erneut flüchten mussten – diesmal in autonome Strukturen, die ihnen Unterschlupf bieten konnten. Das nächste Ziel der andauernden Polizeimaßnahmen in Exarchia ist die Zerschlagung anarchistischer und linker Strukturen. Besonders die anarchistische Gruppe Rouvikonas ist dem Staat ein Dorn im Auge. Nach der Säuberung Exarchias von Anarchist*innen, Linken, Geflüchteten und anderem „Schmutz“ (so die Worte eines Polizeisprechers nach der Aktion am 26.08.) plant die Regierung eine Metrostation zu eröffnen, die Grafittis zu entfernen und das direkt neben einem der teuersten Viertel Athens gelegene Gebiet für Gentrifizierung und Miethaie bereit zu machen. Während bisher von Staat und Gesellschaft abgehängte und unterdrückte Gruppen in Exarchia Raum fanden zu leben, sich auszutauschen und zu organisieren, soll nun der Immobilienmarkt die (bisher abwesende) Herrschaft übernehmen, mit zu erwartenden Folgen, die man hierzulande am Berliner oder Münchner Wohnungsmarkt beobachten kann.

Doch die Genoss*innen in Exarchia geben eines der letzten großen autonomen Projekte Europas nicht auf. Weiterhin existieren über 40 Hausbesetzungen in und um Exarchia, dazu viele Projekte in privaten oder gemieteten Häusern und Wohnungen. Die Solidarität innerhalb des Viertels ist so groß wie nie und studentische Proteste gegen die neue Regierung erhöhen den Druck auf Staat und Polizei ihre Pläne zu stoppen. Exarchia wächst seit dem Ende der Junta – seit mehr als 40 Jahren. In dieser Zeit sind Strukturen und Netzwerke entstanden, die die griechischen Repressionsorgane nicht so einfach zerschlagen können. Die Genoss*innen im Zentrum Athens können sich unserer Solidarität, wie auch der vieler Linker rund um den Globus, sicher sein. Der Angriff auf Exarchia ist ein Angriff auf uns alle. Daher bedeutet unsere Solidarität nicht nur die Beobachtung und Verbreitung der Ereignisse in Griechenland, sondern, dem globalen autoritären Trend auch in unserem Land entgegenzutreten und alternative und autonome Projekte zu stärken.

Exarchia fällt nicht! Wir bleiben stark und widerständig!

Ein*e Besetzer*in beschrieb die Lage nach dem 26. August wie folgt:
„Sie versuchen, uns zu begraben. Sie wissen nicht, dass wir Samen sind.“

NO PASARAN!

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