Pressemitteilung Bündnis gegen Abschiebelager
Gegendarstellung zum Artikel „Hitzeprobleme im Ankerzentrum?“ vom 31.8.2019 in der Donaupost

Als Bündnis gegen Abschiebelager Regensburg (BgA) möchten wir Position zu dem oben genannten Artikel in der Donaupost beziehen. Nach unserer Pressemitteilung zur Hitze in den Containern des Abschiebelagers hat sich die Donaupost „selbst einen Eindruck vor Ort verschafft“. Dies hat zu einem Artikel geführt, in dem zu einem Viertel unsere Pressemitteilung zitiert wird und zu drei Vierteln die Ombudsfrau Veda Erös zu Wort kommt.

Wieder einmal fragen wir uns, was eigentlich seriöse, objektive Pressearbeit ausmacht. Wenn die eigene Recherche vor Ort stattgefunden hat, warum sind dann die Betroffenen, nämlich die Geflüchteten, die in den Wohncontainern leben, nicht befragt worden. Mit keinem Wort wird hinterfragt, dass die Ombudsfrau Angestellte der Regierung ist und somit selbstredend im Sinne der Regierung sprechen muss.

Dies erinnert uns an den Artikel in der MZ „Anker in ruhigem Fahrwasser“, in dem auch niemand von den Geflüchteten zu Wort kam, sondern einzig verschiedene Vertreter_innen der Regierung ihre Sichtweise darstellen konnten.

Zurück zur Hitze in den Containern: Als erstes Argument wird angeführt, dass „handelsübliche Wohncontainer verwendet würden“. Was jedoch nichts über die Isolierung in Hitzeperioden aussagt. Und auch die Menschen am Bau, die darin vorübergehend wohnen müssen, leben in miserablen Bedingungen und leiden im Sommer unter Hitze. Auch die Messung an einem der letzten wärmeren Tage mit 23 bis 30 Grad besagt nicht viel. Denn in den ersten beiden Hitzeperioden haben die Geflüchteten unter 40 Grad gelitten. Da hier BgA nicht geglaubt wurde und die Betroffenen selbst nicht befragt wurden, werden wir – falls sich nichts ändert – im nächsten Sommer die Geflüchteten dabei unterstützen die Temperaturen in den Containern zu dokumentieren.

Auch wurde von der Ombudsfrau darauf hingewiesen, dass es aus den Wohncontainern kaum Beschwerden gab. Statt die eigene Rolle zu hinterfragen, wird dies als Indiz genommen, dass es dann nicht zu heiß gewesen sein kann. Es zeigt eher, dass die Geflüchteten wissen, dass sich nichts ändern wird, auch wenn sie auf die für sie unerträgliche Situation aufmerksam machen. Wir als BgA waren an mehreren sehr heißen Tagen vor dem Lager. Dort haben uns viele Betroffene unabhängig voneinander von den 40 Grad berichtet und wie sie darunter leiden. Auch wenn es jetzt heißt, „die Bewohner bekamen die Erlaubnis, sich Ventilatoren zu kaufen“, stellen wir erneut die Frage, von welchem Geld sie diese bezahlen sollen.

Besonders absurd an dem Artikel erscheint uns die Verknüpfung, dass es laut Ombudsfrau keine besondere Gefährdung von Schwangeren und Kindern gegeben hätte, hin zu einer Selbstdarstellung wie hervorragend die ärztliche Versorgung im Ankerzentrum sei. Noch schlimmer wird es zum Schluss, als die „sogenannten Arbeitsgelegenheiten für einen geringen Stundenlohn“ bejubelt werden. Natürlich sind Menschen, denen jede Betätigungsmöglichkeit genommen wird, die zusammengepfercht in ständiger Ungewissheit und Angst vor Abschiebung leben müssen, offen für alles, was ihnen angeboten wird. Dies gilt es jedoch nicht zu begrüßen, sondern hier muss die Ausbeutung kritisiert werden, sowie das Arbeitsverbot! Geradezu unerträglich wird es, wenn es stattdessen heißt, „das Projekt funktioniere sehr gut und fände auch guten Anklang bei den Anwohnern“. Erniedrigender geht es nicht!

Dieser Artikel zeigt uns zum wiederholten Male, wie wichtig es ist, kontinuierlich mit den Geflüchteten im Gespräch zu sein, um die menschenverachtenden Zustände im Abschiebelager zu dokumentieren. Er zeigt uns auch, dass die Medien keinerlei Interesse an einer wahrhaften Berichterstattung haben, sondern stattdessen lieber der Regierung so viel Raum als möglich einräumen.

Deshalb bitten wir all unsere Leser_innen unser Berichte weiter zu leiten, um möglichst viele Menschen unabhängig informieren zu können.

Dabei bleibt unsere Forderung dieselbe: Abschaffung des Abschiebelagers und sofortige Beendigung aller Abschiebungen!

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